Aktuelles von den Feinden der Jugend: - ältere Meldungen hier -


Volljährigkeit de facto erst mit 21 - so lauten die Einwände beim neuen Waffenrecht. Anstelle jeden Bewerber altersunabhängig auf die charakterliche Eignung zu testen, hat die Politik das alte Verfahren: die pauschale Diskriminierung der Jugend.  Die sonst so auf Anti-Diskriminierung bedachten Abgeordnete schweigen. Deutschlands Feinde der Jugend sitzen im Deutschen Bundestag.


Die totalitäre Wende

 

Von der Bildungschance zum Bildungsterror: Der Weg in den Erziehungsfaschismus.

Dr. Stefan Högl

 

Das gewaltigste Täuschungsmanöver der Nachkriegszeit ist im Gange und die gesamte Republik klatscht artig Beifall. Worum geht es? Um unsere Kinder - angeblich. Verfolgt man die Diskussionen der letzten Jahre, so möchte man meinen, die jungen Menschen seien - endlich -  wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt. An allen Fronten scheint die Zeit für Reformen reif zu sein:  Bessere Bildung, mehr Kinderbetreuung, Politik für Familien - so lauten die Parolen und alle stimmen zu: Union und SPD, Grüne und Liberale. Die Wirtschaft ist dafür, die Gewerkschaften wollen gerne mehr und mittlerweile ist auch der kirchliche Segen erteilt. Wehe dem, der jetzt zu widersprechen wagt. Schießlich geht es um eine gute Sache.

 

Das Gegenteil ist der Fall. Hinter den einzelnen Forderungen stehen fast ausnahmslos Gruppen, denen das Wohl der Jugend herzlich egal ist. Ihre politischen Ziele sind unterschiedlich, doch wenn sie Erfolg haben, ist eines gewiss: Der Marsch in eine andere Republik. Schon heute sind Kinder und Jugendliche die Geiseln der neuen Bewegung, und sie werden am Ende der Kollateralschaden sein, wenn niemand dem Aufmarsch entgegen tritt. Zeit für Aufklärung.

 

Ein Phantom überwältigt das Land

 

Die Reformbewegung, die derzeit das Land erfasst, hat verschiedene Ursprünge, ihre Argumente und Forderungen kommen aus allen Richtungen, ihre Wurzeln sind weit verzweigt. Genau darin aber liegt die Kraft der "neuen Bewegung", ihr vermeintlicher Glanz: Sie umfasst weite Teile von Politik und Gesellschaft, und sie suggeriert, dass alles irgendwie zusammenhängt: Bildung und Erziehung, Familie und Betreung, Bevölkerungszahlen und Rente. Die "neue Bewegung" ist selbst ein Phantom: Sie hat keine Führung und bedarf keiner Organisation. Diskussionen sind nicht vorgesehen, denn im Grunde sind sich alle einig: Deutschland braucht eine  "moderne Familien- und Bildungspolitik". In dieser Hinsicht besteht Konsens, weit über die Grenzen großer Koalitionen hinaus.

 

Die Konzepte der selbst ernannten Modernisierer sind so diffus wie ihre gesamte Erscheinung - doch gerade darin liegt der Reiz: Schnell gilt als visionär und zukunftsweisend, was bei Nähe betrachtet höchstens kalter Kaffee ist, wenn überhaupt. Auffällig ist das selbstherrliche Auftreten der "neuen Bewegung", ihre moralische Überheblichkeit und die ideologische Aufladung, mit der sie ihre Forderung erhebt. Genau diese Mischung aus Penetranz und Heilsversprechen hat mittlerweile die meisten Kritiker zu Schweigen gebracht. Kaum ein  Politiker wagt noch zu widersprechen, die Medien üben sich in Gleichschaltung. Bei dem Reformwerk Einwände zu erheben, gilt bestenfalls als rückständig und belehrungsresistent, wenn nicht als demokratie- und familienfeindlich.

Spätestens jetzt offenbart sich der totalitäre Anspruch der "neuen Bewegung", die wie eine Krake nach allen politischen Lagern greift, um Anhänger zu gewinnen. Eine Polit-Sekte geistert durch das Land - Zeit, sie endlich zu stellen, Zeit die gespenstischen Mythen aufzulösen.

 

Der demographische Vorwand

 

Die Diskussion um Familie und Bildung wäre viel schwerer zu führen, läge nicht eine Altlast im Keller unserer Gesellschaft, die nun plötzlich Beachtung findet: Kindermangel. Seit Jahrzehnten war diese Entwicklung bekannt,  Jahrzehnte lang hat sich niemand daran gestört. Nun herrscht plötzlich Panik.

Die Politik ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Was eine ganze Generation versäumt hat, soll jetzt in wenigen Jahren erreicht werden: mehr Kinder. Dazu ist jedes Mittel recht: Finanzielle Mittel und staatliche Betreuung sowie Ermahnungen in jeder Sonntagsrede. Allein, um die Kinder geht es am wenigsten. Die einen befürchten ein Aussterben der Deutschen und fordern mehr Nachwuchs, den anderen geht es um die Rente, die künftige Generationen finanzieren sollen. Gewiss: In diesen Bereichen wirkt sich der Geburtenrückgang aus, doch das Problem ist ein anderes. Man kann das Rentensystem umstellen, und man kann auch mit weniger Menschen als Volk überleben. Deutschland ist jedoch dem Untergang geweiht, wenn seine Einwohner das Zusammenleben mit Kindern in Frage stellen. Wenn das Leben in der Familie nicht mehr die natürliche Lebensform ist, sondern nur mehr eine von vielen Optionen und wenn über eigenen Nachwuchs so skeptisch diskutiert wird wie über die Auswanderung nach Australien, dann ist nicht die Geburtenrate das Problem, sondern die Mentalität.

Es ist wahr: Kinder sind plötzlich in Mode gekommen, die aktuelle Diskussion zeigt Erfolg. Aber das war es dann auch. Damit sich Paare Nachwuchs zulegen, muss der Staat die Betreung übernehmen und obendrein noch Geld locker machen. Kinder müssen sich lohnen, nebenher laufen, abschreiben lassen. Alles muss sich mit allem vereinbaren lassen: Beruf und Familie, Kinder und Freizeit - nirgends gibt es Abstriche, aber alles zum Nulltarif. So wenigstens lautet das Credo der viel gerühmten Spaßgesellschaft. Daher auch das Fazit: Nicht ein Mangel an staatlicher Fördeung und beruflichen Möglichkeit hat den demographischen Wandel verursacht, sondern ein massives Defizit im Verständnis fundamentaler gesellschaftlicher Zusammenhänge. Die Diagnose lautet: Sozialdemenz

 

Vom Generationenvertrag zum Generationenbetrug

 

Der zweithäufigste Grund, warum die Politik sich plötzlich für Kinder interessiert, ist die absehbare Entwicklung der Renten. Juristisch müsste man von niedrigen Beweggründen sprechen, denn nicht die jungen Menschen stehen im Vordergrund, sondern die Beiträge, die sie einmal an die Rentenkasse abführen sollen. Noch ehe sie den Mutterleib verlassen, hat man sie schon in die Pflicht genommen: sie sind die Schuldner von morgen.

Was man gemeinhin als Generationenvertrag gefeiert, ist bei näherem Hinsehen ein Vertrag zu Lasten Dritter, ein sittenwidriger Pakt, geschlossen in Abwesenheit der Betroffenen. Aus historischer Sicht  war es durchaus berechtigt, die mittellosen Rentner der Nachkriegszeit von denen finanzieren zu lassen, die in Lohn und Brot standen - zunächst jedenfalls. Spätestens in den Zeiten des "Wirtschaftswunders" hätte man von der archaischen Fürsorgeverkettung zum Prinzip der Eigenvorsorge wechseln müssen. Doch statt hier zu investieren, hat die Politik den Konsum der Mehrheitsgesellschaft bedient und immer höhere Schuldenberge aufgetürmt. Die junge Generation steht mittlerweile vor einem Scherbenhaufen: Sie soll immer mehr Rentner finanzieren, ohne selbst eine ähnliche Leistung erwarten zu können, und sie soll zugleich die hinterlassenen Kredite bedienen, die der Wohlstand vergangener Tage verursacht hat, von dem sie selbst aber nichts mehr haben. Es ist eine perfide Mischung aus Verzicht und Belastung, der zu einer unglaublichen Verachtung der Jugend geführt hat. Von Sonntagsreden einmal abgesehen, hat sich bislang kaum jemand ernsthaft für diesen Skandal interessiert. Doch wie eingangs schon gezeigt: Um die jungen Menschen geht es gar nicht - sie sind nur Mittel zum Zweck. Vor diesem Hintergrund erhält die Bildungsdebatte einen eigenartigen Beigeschmack.

 

Lernen - lebenslänglich?

 

"Dass der Mensch was lernen muss", wie es bei Wilhelm Busch heißt, steht außer Frage. Bildung erschließt dem Menschen die Welt und meist auch seinen beruflichen Weg. So war es bisher.

Nun scheint das Rad neu erfunden worden zu sein: Ein neues Motto stellt alles bislang dagewesene in den Schatten: Die Rede ist vom "lebenslangen Lernen". Mittlerweile ist das Schlagwort in aller Munde, es bestimmt Vorträge und Konzepte, und auch die offizielle Politik. Längst ist das "lebenslange Lernen" zur heiligen Pflicht aller Bürger erklärt worden. Tatsächlich ist der Begriff eine billige Phrase ohne klaren Inhalt, die vor allem eines progagiert: Den unmündigen Bürger. Was immer man gelernt hat, nie kann man sich darauf verlassen. Wer Halt sucht, wird ihn nicht finden. Alles ist relativ.

Bei nüchterner Betrachtung ist das "lebenslange Lernen" ein alter Hut. Als ob die Menschen das Neue in Beruf und Leben nicht schon immer aufgenommen hätten, vom Computer bis zur Satellitentechnik. Als ob die Bauern immer noch "im Märzen die Rößlein" einspannen und am Abend vor dem Volksempfänger sitzen würden. Als ob einem das Lernen immer jemand schaffen müsste.

Bildung - so heißt es in Goethes Wilhelm Meister - ist die Aus-Bildung des Menschen in seinen Fähigkeiten und Neigungen, eine selbsttätige Aufgabe, eine Entwicklung im wahrsten Sinn des Wortes. In diesem Verständnis ist der Mensch der Souverän seines Lebensweges, dem er manchmal gerade, manchmal auf Umwegen folgt, den er aber selbst bestimmt und verantwortet. Bildung ist die Frucht, die sich auf dieser Reise entfaltet.

Mit dieser Selbsttätigkeit können die Bildungspropheten von heute nichts mehr anfangen. Für sie ist das individuelle Suchen und Handeln ein Hindernis, bestenfalls Zeitverschwendung. Bildung ist zum staatlichen Programm degeneriert, das möglichst früh ansetzen muss und niemals mehr aufhören darf: ein totalitärer Anspruch.

 

Die Metastasen der Bildung

 

Nachdem die Bildung vom lebensfördernden Elexier zu einem staatlich verordnerten Geschwür mutiert ist, bemühen sich die verschiedenen Gruppen, seine Ausbreitung zu regeln und die Metastasierung möglichst voranzutreiben. Das "lebenslange Lernen" soll daher am besten im Kleinkindalter beginnen, in Krippen und Horten, bis zum dritten Lebensjahr. Danach soll eine dreijährige Kindergartenzeit zur Pflicht werden, im Anschluss daran die Ganztagsschule. Längst ist auf dem Reißbrett der selbst ernannten Experten ein Konglomerat aus Bildung, Betreuung und Verwahrung entstanden, ein Konzept, dessen illiberaler Geist eher auf die Strukturen von Hamas und Hitlerjugend verweist als auf den freiheitlichen Rechtstaat.

Wie aber konnte es so weit kommen in einem Staat, der sich einst geschworen hat, die Freiheit des Individuums zu verteidigen? Was macht den Zeitgeist so blind, wenn es um junge Menschen geht?

Auf der liberal-konservativen Seite hört man die Sprache der Wirtschaft. Nach dem economic turn der letzten Dekade hat der Leistungsfetischismus nun auch den Bildungsektor erfasst. Weil die Studenten immer älter würden, müssten sie früher mit dem Studium beginnen, ergo früher das Abitur erlangen. Weniger Schuljahre heißt wiederum: mehr Nachmittagsunterricht und frühere Einschulung. Damit diese nicht scheitert, wird die Vor-Schule zum vor-schulenden Pflichtprogramm. Die Wirtschaft selbst empfiehlt kürzere Ferien und ganztägigen Schulbesuch. Es geht um den Arbeitsmarkt, und um ihn ganz allein. Vielleicht wären einige Jugendliche besser auf das Berufsleben vorbereitet, aus- und fortgebildet für diesen Zweck. Doch die Bildung bliebe auf der Strecke: Persönliche und auch fachliche Reife erfordern Zeit: Stunden am Nachmittag - Wochen in den Ferien - Monate zwischen den Semestern. Die Fragen des Lebens stellen sich ganz persönlich, meist in der Freizeit, auch wenn sie der Lehrer vormittags formulieren könnte: Authentische Erfahrungen lassen sich nicht staatlich planen. Goethes Faust kann ein Grundschüler vielleicht vortragen - seine Bedeutung aber schwerlich erfassen: Der innere Zugang erfordert  Lebenserfahrung und Reife, und da ist die Ökonomie mit ihrem Englisch schnell am Ende.

Die Idee des allumfassenden Erziehungsstaats hat eine Reihe weiterer Fürsprecher gefunden, teils aus aktuellem Anlass. Nachdem sich die Berichte über verwahrloste Kinder gehäuft hatten, wurde manchem bewusst, wie groß die Probleme sind: Bis zu einem Dittel der Eltern versagt bei der Erziehung. Entsprechend heftig waren die Reaktionen. Wo die Familien überfordert seien, hieß es, da müsse der Staat einspringen: Bei Erziehung und Bildung, bei Gesundheit und Freizeit und nicht zuletzt  bei der Vermittlung von Werten. Gewiss, in vielen Fällen ist dieses Eingreifen angebracht, in manchen Fällen sogar unabdingbar, doch das hat jenen nicht gereicht, die sogleich Blut geleckt haben: Sie wollen dem Staat die generelle Erziehungshoheit gewähren, weil er - wie Ulrich Wickert sagte - besser weiß, was Kinder brauchen. Jetzt war ihre Chance gekommen! Da wirkt es eher rührend, dass sich auch die Kirchen am "Bündnis für Erziehung" beteiligt haben. Dass sie auf diesem Wege christliche Werte in unsere Spaß- und Geizgesellschaft bringen können, ist wenig wahrscheinlich, weil das Fundament für Werte - und auch Bildung - längst zur Disposition steht: Die Familie.

Damit ist nun die letzte Fraktion der "neuen Bewegung" erreicht: die Feinde der bürgerlichen Familie, die aber ihre Feindschaft meist gut verbergen. Ihre Vertreter finden sich im linken Lager, gelegentlich auch bei den Liberalen, und bei Akademikern sowieso. Was sie eint ist weniger Position als Aversion. Nicht die Familie soll die Keimzelle von Staat und Gesellschaft sein, sondern der Einzelne, und wenn dieser sich Nachwuchs wünscht, muss der Staat für die Betreuung sorgen. "Familie ist, wo Kinder sind", lautet das Credo, und dazu braucht es am allerwenigsten Eltern, sondern lediglich die Lust und Laune von ein, zwei oder mehr Menschen, die es zumindest lebensabschnittsweise miteinander aushalten wollen.

 

Kind – Krippe – Kita

 

Eine längerfristige, gar monogame Bindung ist den Feinden der Familie suspekt. Um eine maximale Autonomie aller Beteiligen zu wahren, müssen Frauen – von Müttern spricht man ungern - ihre Lebensmitte umgehend wieder im Arbeitsleben suchen. Das Kind betreuen derweil andere, bezahlen muss der Staat.

Genau diese Mentalität ist mittlerweile in Gesetzesform gegossen oder kurz davor: Für etwa zehn Monate versorgt das neue Kindergeld das zuhause bleibende Elternteil, anschließend ist ein zweimonatiger Partnerwechsel fällig, und dann muss es genug sein: Zeit für die Krippe. Für ein Drittel der unter (!) Dreijährigen soll es bald Plätze geben, die deutsche Linke fordert sogar eine Rechtsanspruch auf Betreuung von 1- bis 14-Jährigen. In den Medien ist dann von „familienfreundlich“ die Rede. Wohlgemerkt: Nicht das Kind hat ein Recht auf seine Eltern, diese haben ein Recht auf kein Kind. Das wäre denn auch von Anfang an das beste gewesen, denn wer seinen Nachwuchs nur als Störung empfindet, der stirbt besser gleich aus.

Auch die Fremdbetreuungsoffensive läuft unter dem Deckmantel der (nun frühkindlichen) Bildung. Vordergründig geht es um Chancengleicheit für benachteiligte Kinder, doch statt deren Benachteiligung individuell auszugleichen, holt man alle ins gleiche - ins staatliche - Boot. Nicht handeln und doch etwas tun, lautet die Devise. So wird den einen nicht richtig geholfen, die es dringend bräuchten, und der Rest wird schikaniert. Leider sind es nicht einzelne Irrgänger, die die totale Betreuung fordern, sondern prominente Vertreter aus Pollitik und Gesellschaft. Prof. Karl Lauterbach etwa, SPD-Gesundheitsexperte, fordert die Kindergartenpflicht ab drei Jahren, danach ganztägige Gemeinschaftsschule. Ins gleiche Horn bläst DGB-Vize Ingrid Sehrbrock, CDU/CDA. Krippen, Kindergärten und Ganztagsschulen müssen ihrer Ansicht nach verpflichtend werden. Wenn man es ernst nehme mit der Chancengleichheit der Kinder, dürfe es keine Wahlfreiheit für die Eltern geben, wird sie zitiert.  Dabei stehen diese Beispiele nur stellvertretend für eine stets wachsende Meinungsmacht in Deutschland.

Das Land der Dichter und Denker erlebt in diesen Tagen eine traurige Mutation: Aus dem Bildungsbürgertum wird ein Betreuungsbürgertum totalitären Zuschnitts.

 

Das Ende der Freiheit

 

Die Rechte der Eltern werden dabei ignoriert, doch scheint dies die harmlosere Folge der "neuen Bewegung" zu sein. Weit schlimmer ist es, wie massiv und wie skrupellos man dort bereit ist, in die Rechte der jungen Menschen einzugreifen, vornehmlich in ihr Recht auf freie Entfaltung.

Genau dieses bildet den Kern menschlicher Freiheit und Würde, und gerade deshalb steht es im Eingangsbereich unseres Grundgesetzes. Bei allen Überlegungen ist es zu beachten, seine Einschränkung muss nicht nur gut begründet, sondern alternativlos sein. Das Erziehungsrecht der Eltern und die allgemeine Schulpflicht sind in diesem Sinne unverzichtbar und unersetzbar, und doch gibt es jeweils Schranken: So dürfen Eltern ihren Kindern keine Gewalt antun, und der Staat seinen Bürgern nicht mehr Bildung auferlegen, als der einzelne braucht, um sich im Leben beruflich, sozial und kulturell zurechtzufinden.

Ein Mehr an Angeboten mag man begrüßen, vom Kindergarten bis zur Volkshochschule. Doch so wenig wie es einen Ausbildungs-, Abitur- oder Studierzwang für alle geben kann, dürfen Kleinkindbetreuung, ganztägige Schule oder Internatsbesuche zur Pflicht erklärt werden. Wer dies tut, verachtet die Freiheit junger Menschen, er sich die Jugend zum Feind.

Wie alle autoritären und totalitären Konzepte besitzen auch die aktuell diskutierten Maßnahmen ein gewisses Verführungpotenzial. Gerade Kinder lassen sich von Gemeinschaftsaktionen und gelenkter Freizeit schnell begeistern - Beispiele aus Geschichte und Gegenwart gibt es genug. Lediglich einige Erwachsene beschleicht noch ein Unbehagen bei dem Gedanken, dass staatliche Stellen sich um kleinste Kinder, um Mittagsschlaf und Mittagessen und um die Organisation des Lebensmittelpunkts kümmern sollen. Wer in Freiheit aufgewachsen ist, dem sind neue Grenzen immer suspekt.

 

Bildungsterror?

 

Darf man bei aller Kritik schon von "Terror" sprechen? Man muss. Denn die Feinde der Jugend haben nicht nur deren Freiheit und Würde in unzulässiger Weise begrenzt, sie sitzen in ihren Löchern und warten auf eine günstige Gelegenheit für einen neuen Anschlag. So wie die Gegner der Kernenergie bei jedem Störfall die Stillegung aller Kraftwerke fordern, so nutzt die "neue Bewegung" jeden Vorfall für ihr Endziel. Ein kurzes Beispiel:

Man stelle sich einen Streit unter Schülern vor, einen mit tödlichem Ausgang. Am Anfang ist es um Kleidung gegangen, am Ende ist einer Amok gelaufen. Stunden später treten die ersten Politiker vor die Presse. Sie sprechen von Trauer und tiefem Entsetzen. Doch schon im zweiten Satz kündigen sie Maßnahmen an, um einen weiteren Zwischenfall zu verhindern. Bald werden die ersten Eiferer schreien, die Schuluniform müsse eingeführt werden. Wenn im Klassenzimmer alle gleich gemacht würden, verschwinde jeder Streit.

Was nach pädagogischer Maßnahme klingt, ist in der Realität eiserner Zwang. Gewiss: Eine halbwegs ordentliche Kleidung kann man von jedem Schüler erwarten - doch damit ist ein Rahmen gegeben, der dem Individuum Raum gibt. Schuluniformen beseitigen Freiräume, die gerade junge Menschen zur Abgrenzung und Identitätsfindung brauchen. Sie haben ein Recht darauf, welches weder Staat noch Eltern, ja nicht einmal sie selbst veräußern können. Selbst wenn heute eine ganze Schule beschließt, sich einheitlich zu kleiden, muss morgen jeder die Möglichkeit haben, seine Meinung wieder zu ändern und in den alten Rahmen zurückzukehren. Die "demokratisch beschlossene" Kleidung soll auf perfide Weise verhindern, dass junge Menschen ihre natürlichen Rechte auch ausüben. - Was wie ein banales Beispiel scheint, offenbart das Wesen der Menschenrechte, wie sie die freiheitliche Ordnung unserer Verfassung vorsieht: Angeboren, nicht erst zuerkannt, im Kern unabänderlich, und staatlicher Verfügung entzogen. Die Feinde der Jugend haben den Geist des Grundgesetzes nie verstanden und halten Kinder für Menschen zweiter Klasse, was sie zwar nie aussprechen würden, was sie aber durch ihr Handeln bei jeder Gelegenheit beweisen.

Die Reaktion der Politik verheißt nichts gutes, weder beim fiktiven Amoklauf, noch im wirklichen Leben. Auf bedauernswerte Einzelfälle reagiert man mit pauschaler Bestrafung, anstatt geeignete Strategien zu diskutieren. So werden an Schulen Handyverbote erlassen, weil einige Geräte Gewaltvideos spielen, und weil manche Führerscheinneulinge betrunken hinter dem Steuer sitzen, gilt nun für alle eine rigorose Promillegrenze. Und weil man jungen Menschen generell nicht trauen kann, wollten Gauweiler und Schily die Volljährigkeit auf 21 Jahre erhöhen. - Die Liste der pauschalen Verdächtigungen ließe sich weiter fortsetzen, doch das Muster ist stets das gleiche: Aus einem Vorfall wird ein Generalverdacht konstruiert, ein Maßnahmenkatalog ersonnen, der dann alle betrifft. So ist die erste Terrorangst zwar vorbei, wenn der Amokläufer gefasst ist, doch die zweite baut sich erst auf. Die Anschläge der Bildungsterroristen gelten als sicher, auch wenn sie manchmal das Ziel verfehlen. Ihre Opfer sind die persönlichen Freiheiten junger Menschen, ihre Waffe sind Recht und Gesetz – doch nur dem Anschein nach.

 

Totalitäre Wende

 

Zum Glück, so wird mancher insgeheim denken, sind der "neuen Bewegung" Grenzen gesetzt, die des Rechtstaats nämlich. Vor Gericht werden die diskutierten Zwangsmaßnahmen keinen Bestand haben, so könnte man hoffen, am allerwenigsten vor dem Verfassungsgericht. Doch die Hoffnung trügt, wie ein Blick auf Entscheidungen des Organs in der Vergangenheit zeigt.

Seit Jahrzehnten bekennen sich Politiker aller Couleur zur Wehrpflicht – also dazu, dass junge Menschen einen Zwangsdienst absolvieren, mit einem Tageslohn von 7,50 Euro. Seit Jahrzehnten ignoriert das oberste Gericht dieses Unrecht, es ignoriert die Ungleichbehandlung von Mann und Frau und es ignoriert die militärischen Alternativen. So lange die Wehrpflicht billige Zivildienstleistende produziert, schert sich das Gericht einen Dreck um die Verfassung. Das Kalkül der Politik geht sogar noch weiter: Der Zwangsdienst soll nicht abgeschafft, sondern auf die junge Frauen ausgedehnt werden. Soziales Pflichtjahr lautet das Konzept, und wieder stimmen alle zu: Wirtschafts- und Sozialverbände, Politiker aller Parteien, und auch der Bundespräident hat seine Sympathie erkennen lassen. Wenn es darum geht, jungen Menschen Schulden, Kosten und Arbeit aufzuladen, um den Luxus der Mehrheitsgesellschaft zu garantieren, dann sind sich alle einig. Die Feinde der Jugend sind seit langem eine lose verschworene Gemeinschaft, die sich nur dann zu erkennen gibt, wenn sie ihre eigenen Vorteile bedroht sieht. Das Bundesverfassungsgericht, das längst den Anfängen wehren hätte müssen, ist Teil jener politischen Klasse geworden, von der es personell bestimmt wird.

An dieser Stelle ist der Rechtstaat ausgehebelt, die Republik am Ende, die totalitäre Wende vollzogen. Den Repräsentanten der "neuen Bewegung" ist es dabei gelungen, der Gesellschaft, auch der Jugend, zu suggerieren, dass es um das Wohl der künftigen Generationen geht, um Bildung und um Gerechtigkeit - um ein Zukunftsprojekt. Die Machtergreifung war schleichend, ebenso wie die freiwillige Gleichschaltung von Parteien und Medien. Bislang schweigt die Mehrheit, weil "nur" die Jugend betroffen ist. Höchste Zeit, das Schweigen zu brechen.     
               


Ältere Meldungen über Anschläge auf die Jugend - ausgeführt von Bildungsterroristen und Jugendfeinden:

"Rauchen erst ab 18" - die neue Entmündigung der Jugend - ohne Bestandsschutz für "Süchtige". Bei allen anderen Drogen würde man von kaltem Entzug sprechen, doch auch Zigaretten machen abhängig. Gerade jene Polit-Clique, die selbst  - bar jeden Charakters - gern öffentlich zu Kippe, Pfeife und Zigarre greift, will nun der Jugend den Lehrmeister spielen.  Junge Raucher: Geht zum Arzt und lasst euch Nikotinpflaster verschreiben.


Entmündigung, die zweite: "Spielteilnahme erst ab 18 Jahren", tönt die Lottowerbung. Als wäre ein Azubi so blöd, sein halbes Gehalt für Lotto zu verspielen. Und wenn doch, bleibt es bei dem einen Mal. Suchtgefahr? Reine Schikane von den Feinden der Jugend.


Entmündigung, die dritte, geplant: Solarium erst ab 18 Jahren.  Wie immer:  Pauschale Verbote statt gezielter Maßnahmen.


Erneute "Bekenntnisse zur Wehrpflicht", auf deutsch: Parteien und Politker  wollen junge Menschen ungeachtet militärischer Notwendigkeiten  zum Zwangsdienst verpflichten.  Feindschaft zur Jugend haben bekannt: weite Kreise der CDU/CSU sowie aus der SPD die Jugendfeinde Peter Struck, Franz Müntefering [zur Meldung] und was macht der "unbequeme Bundespräsident"? Er schweigt, wie immer.


CSU-Fraktionschef Herrmann fordert kürzere Ferien in Bayern. [zur Meldung] Die Logik: Früher ins Arbeitsleben, früher zum Schulabschluss. Kürzere Schulzeiten -> längere Schulverweilzeiten. Das Programm: Kürzere Ferien, Zwangstagsschule. Die Opfer? Die Jugend, wie immer.


Pläne zum Samstagsunterricht in Nordrhein-Westfalen [zur Meldung] "Samstags gehört Vati mir!" - so war der Gewerkschaftsslogan zur 5-Tage Woche.  "...nicht, wenn Du in der Schule sitzt!", antworten heute die Bildungsterroristen.